Eumavia Lovaniensis

Liedgut

Eine besondere Studententradition ist das Singen von Studenten- und Volksliedern. Ähnlich wie andere Traditionen hat sich auch das Liedgut in der Eumavia ihrem Werdegang folgend entwickelt. In den Anfangsjahren wurden vor allem deutsche Studentenlieder aus dem Allgemeinen Deutschen Kommersbuch oder später auch aus dem Liederbuch des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen gesungen. Durch das Infragestellen der Traditionen in den 70er und 80er Jahren wurde dieses oftmals durch Pfadfinder-, linksliberale oder englische Lieder ersetzt. Nach dem Umzug nach Neu-Löwen kamen auch viele französische Studentenlieder hinzu. Heute umfasst das Liedgut der Eumavia sowohl alte deutsche als auch zeitgenössische, französische, flämische und englische Studenten- und Volkslieder. Für die Geschichte der Eumavia sind zwei Lieder von besonderer Bedeutung: das sogenannte Gründerlied und das heutige Bundeslied.

Übersicht
Kerze und Liederbuch bei einer Kneipe der Eumavia

„Fern im flanderischen Lande“ - Gründerlied

Nach der Gründung der Eumavia 1926 waren die ersten Jahre der Vereinigung vor allem durch die Suche einer eigenen Identität gekennzeichnet. Nachdem man erst 1920 belgisch geworden war, bestanden in Ostbelgien noch viele Nachkriegsspannungen zwischen sogenannten Prodeutschen und Probelgiern. Auch in der Eumavia war dies präsent, und als man sich schließlich entschloss, sich eher nach einem deutschstudentischen Vorbild zu organisieren, schrieb Engelbert Köttgen aus Nidrum 1928 den Text des ersten offiziellen Liedes der Eumavia, das sogenannte „Bundeslied“. Der Text geht explizit auf die Spannungen in den Anfangsjahren ein, wenn er von „vorbeigezogenen Stürmen“ und „Weltenwogen“ spricht.

Die Melodie beruht auf der 1867 von Peter Johann Peters komponierten Weise „Strömt herbei ihr Völkerscharen“. Viele andere deutsche Studentenverbindungen sowie der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) haben ihr Bundeslied ebenfalls dieser Melodie zu Grunde gelegt. Das verdeutlicht die Entscheidung der Gründerväter, sich am deutschkatholischen Studentenvorbild zu orientieren.

Notenblatt des Bundeslieds der Eumavia Lovaniensis

„Mitten in Louvain-la-Neuve, wo wir heute sind zu Haus“ - Bundeslied

Über die zeitweilige Auflösung während des zweiten Weltkrieges hinaus blieb dies die Hymne der Eumavia. Erst nach dem Bruch mit der Altherrenschaft im Jahre 1976 setzte die Aktivitas das Lied ab. Im akademischen Jahr 1982-1983 wurde ein neuer Text geschrieben, der teilweise gegen die Altherrenschaft gerichtet war. Nach der erneuten Annäherung zwischen Aktivitas und Altherrenschaft zum 60. Stiftungsfest wurde der Text 1987-1988 ein zweites Mal umgeschrieben und der Neu-Löwener Realität angepasst, diesmal von Charles Servaty aus Küchelscheid und Stephan Boemer aus Weywertz.

Die Melodie hat bisweilen etwas unter den Gesangskünsten der Studenten gelitten und wurde im Laufe der Zeit leicht verändert. Bis heute ist diese Fassung das neue Bundeslied der Eumavia. Der Streit mit der Altherrenschaft wird dabei mit der „begrabenen Fede“ explizit als beigelegt besungen. Nicht selten singen die Aktiven zudem den alten Text von 1928, der mittlerweile den Namen „Gründerlied“ erhalten hat.